Akademiker Fibel

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Trotz 1er Durchschnitt – warum die Bewerbung nach Studium nicht reicht

 

Da stehen Sie nun. Die Bachelor-, Master oder Doktorarbeit ist abgegeben. Sie sind praktisch fertig mit dem Studium. Weiterhin haben Sie einen akademischen Notendurchschnitt mit einer eins vor dem Komma. Ihr Berufseinstieg muss einfach perfekt werden. Darauf haben Sie mehrere Jahre gewartet. Da haben Sie unzählige Karriere Coaches beauftragt. Für mehrere Hunderte Euros haben Sie Ihre Bewerbungsmappen überarbeiten lassen. Die Bewerbung nach Studium als Absolvent ist einfach perfekt. Sie sind sogar zum professionellen Fotografen gegangen. Endlich können Sie die Früchte Ihrer Arbeit tragen.

 

Doch was passiert? Sie bekommen eine Absage nach der anderen. Teilweise gibt es wochenlang überhaupt keine Rückmeldung. Sie sind frustriert und verstehen die Welt nicht mehr. Bei mehreren hunderten Bewerbungen auf eine Stelle vergessen viele Akademiker eins. Sie sind nicht alleine. Es gibt mindestens eine Handvoll Mitbewerber, die den gleichen Abschluss haben. Ein Bachelorabschluss ist in der heutigen Zeit Massenware. Immer mehr junge Menschen suchen den Weg in die Universität, anstatt in die Lehre. Dadurch verschärft sich der Wettbewerb zunehmend.

 

Wenn Sie Ihre Eltern fragen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit damals war einen Job mit einem Studium zu finden, ist die Antwort immer die Gleiche:

“Mit einem Studium, findest du immer einen Job“

All unsere Eltern

Dies ist heute nicht mehr so. Andere Faktoren bestimmen, ob wir unsere Karrierewünsche erreichen. Daher ist wichtig zu entscheiden, ob Sie ein Generalist oder Spezialist sein möchten. Bieten Sie zu generalisierte Kompetenzen, ist der Wettbewerb zu hoch. Wenn Sie sich zu spezialisiert positionieren, wird Ihr Angebot zu klein sein. So haben Sie keine Wahl zwischen beruflichen Alternativen. Entscheiden Sie daher weise. Machen Sie sich unabdingbar. Werden Sie lieber Experte.

 

Die Welt ändert sich. Wir ändern uns auch. Als ich im Jahr 2019 Fachhochschüler unterrichtet habe, war mir klar, dass es ihre Jobs noch gar nicht gibt. Die Halbwertzeit von Berufen verringert sich zunehmend. Ein Stellenprofil erweist sich als dynamisches Konstrukt. Heutzutage werden keine Bewerber gesucht, die zu 100 % eine Stelle ausfüllen können. Der rote Faden im Lebenslauf ist somit überflüssig. Es werden Talente gesucht, die Erfahrungen, Kompetenzen und Fachwissen in der neuen Position flexibel einsetzen können.

 

Zeigen Sie einfach, dass Sie unentbehrlich sind. Als Akademiker haben Sie nicht mehr Fachwissen, als andere. Daher brauchen Sie eine Nische, in der Sie sich positionieren können. Fragen Sie sich, was Sie bewegen, was niemand anders bewegt. Seien Sie dabei immer eine Art Chamäleon. Erfinden Sie sich immer wieder neu. Stillstand ist bekanntermaßen Rückstand.

 

Mit Personal Branding – keine Bewerbung nach Studium mehr nötig

Bewerbung nach Studium
Bewerbung nach Studium - Ab ins Blitzlicht

 

Jetzt simulieren wir mal eine andere Zukunft. Stellen Sie sich vor Sie leben in einer Welt, in der Sie nie wieder eine Bewerbung schreiben müssen. Unternehmen und Headhunter kommen auf Sie zu. Alle paar Wochen erhalten Sie automatisch neue Job Angebote. Vielleicht gehört die Selbstständigkeit ja zu Ihrem Leben und die Aufträge kommen von ganz alleine. Wäre das nicht super? Stellen Sie sich vor Sie arbeiten in der Pharmaindustrie. Welchen Boost würde es Ihrer Bewerbung geben, wenn der Personaler Sie googelt und Ihren Blog findet, welcher sich mit diesem Themengebiet befasst? Die nächsten Schätze, die er findet, sind zahlreiche Publikationen in Fachzeitschriften. Dazu kommen Gastauftritte in Podcasts.

 

Ihr Name und Ihr Humankapital sind in diesem Zusammenhang wie ein Unternehmen. Die Abteilungen, die in einem Unternehmen Geld kosten sind, beispielsweise die Personalabteilung. Die Abteilung, die Geld bringen sind, Vertrieb und Marketing. Dies bedeutet, dass Marketing wichtig für Ihr Unternehmen ist. Wir Akademiker benötigen durch den steigenden Wettbewerb vor allem eins: ein passgenaues Selbstmarketing. Wir benötigen eine eigene Personalbrand.

Unsere Zielgruppe hier? Natürlich Personalabteilungen, Personalberater, Headhunter und Recruiter. Erinnern Sie sich noch an meinen letzten Beitrag? Nach Studium kein Job? Dort habe ich Ihnen den verdeckten Stellenmarkt vorgestellt. Je mehr Kontakte Sie von Ihrer Zielgruppe integrieren, desto einfacher wird es sein eine Stelle zu erhalten, die noch gar nicht ausgeschrieben ist.

 

Personalbranding beschreibt ferner nicht nur Marketing für Sie selbst. Dieser Prozess beginnt vielmehr mit der Frage, welche Werte Sie vermitteln möchten. Dies ist unfassbar wichtig. Denn nur so können Sie auch prüfen, ob Ihre Werte mit den Werten des potenziellen Unternehmens übereinstimmen. Wie sich kleiden, wie Sie Ihre Mimik und Gestik verwenden. Das alles verkörpert Ihre persönliche Marke als Akademiker. Kennen Sie Ihre Wirkung auf Andere? Nehmen Sie den Raum ein, wenn Sie hineinkommen? Nein? Na, wenn Sie es nicht tun, tut es jemand anders. Jemand anders wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ihr Kommilitone nimmt Ihnen Ihren Traumjob weg. Jemand anders bringt im Meeting tolle Ideen ein. Andere ernten die Belohnungen.

 

Wo genau sollten Sie sich positionieren? Sie positionieren sich am besten über Touch Points. Ein Touch Point beschreibt die Schnittstelle zwischen Ihnen und Ihrem potenziellen neuen Arbeitgeber. Mögliche Touch Points neben Ihrer Bewerbung sind Social Media.

 

LinkedIn und Co. – wie die erste Bewerbung nach Studium glänzt

Noch vor der ersten Bewerbung nach Studium – Reichweite erhöhen als Absolvent

 

Social Media beschreibt jeglichen Kanal, über den Sie mit anderen kommunizieren. Darunter gehören Facebook, Instagram, LinkedIn, Xing und Co. Befürchten Sie bitte nicht, dass Sie sich alle Kanäle anschaffen und bespielen müssen. Ich habe am Anfang auch den Fehler gemacht, mehrere Kanäle zu bespielen. Dies war nicht nur sehr zeitaufwändig, sondern nicht wirklich zielführend. Wir schauen ja auch immer, wo sich Ihre Zielgruppe hauptsächlich aufhält. Dies passiert auf der geschäftlichen Ebene hauptsächlich über Xing und LinkedIn. Unternehmen wissen, dass vor allem die Generationen Y und Z berufliches und privates trennen. Daher wird gezielt über berufliche Netzwerke rekrutiert. Da LinkedIn 2020 zu den Top-Business Kommunikationsplattformen gehören, habe ich mich dazu entschieden, dort aktiv zu sein. Andere Plattformen können ja immer noch hinzugefügt werden. Daher gebe ich Ihnen kurz die Tipps mit, mit denen Sie sich bei LinkedIn positionieren können.

 

Wussten Sie, dass ich Obama über mehrere Ecken kenne? Nein? Keine Sorge, das tun Sie auch. Das kleine Weltphänomen besagt, dass wir mit Jedem auf der Welt über mehrere Zwischenstationen vernetzt sind. Ein Bekannter von mir arbeitet bei der Botschaft. Der Leiter kennt Angela Merkel persönlich. Ferner hatte Frau Merkel ja bekanntlich viel Kontakt mit Obama. Somit ist Obama ein Kontakt 4. Grades für mich. Diese Vernetzung macht sich auch LinkedIn zunutze. Somit sehen Sie in diesem Portal nicht nur Ihre Kontakte, sondern auch die Kontakte Ihrer Kontakte. Damit wird es Ihnen spielend leicht gemacht sich zu vernetzen. Schreiben Sie sich daher jede berufliche Station auf. Fügen Sie anschließend Ihrem Netzwerk neue, relevante Kontakte hinzu. Je höher und wichtiger der Kontakt, desto größer ist unsere Wahrscheinlich Personaler und Recruiter auf uns aufmerksam zu machen. Beispiel für Netzwerkaufbau sind:

 

  • Abitur (Mitschüler)
  • Studium (Mitstudenten)
  • Werkstudentenstelle (Arbeitskollegen)
  • Arbeitsstelle (Arbeitskollegen)
  • Familie, Freunde, Bekannte

 

Trauen Sie sich ruhig auch Menschen hinzuzufügen, von denen Sie lange nichts gehört haben. Mehr als ein Nein können Sie ja nicht bekommen. Irgendwann wird Ihnen der Algorithmus automatisch neue Kontakte vorschlagen und dieses Spielchen wird ein Selbstläufer.

Ihr Profilfoto sollte seriös und authentisch sein. Nehmen Sie für diese ruhig ein paar Euro mehr in die Hand. Das Hintergrundbild bei LinkedIn sollte etwas mit Ihrer Profession zu tun haben. Wenn Sie zum Beispiel in der Bildung arbeiten, brauchen Sie Flipchart oder Metakarten im Bild. Wenn Sie in der Medizinbranche arbeiten benötigen Sie Symbole, die dieser Branche gerecht werden. Unser Kopf arbeitet besser mit Bildern und Symbolen. So wird direkt klar, was Sie verkörpern und vertreten. Beim Slogan verhält es sich genauso. Machen Sie in einem knackigen Satz deutlich, welchen Mehrwert Sie für wen bieten.

 

Positionieren Sie sich als Experte

 

Viele machen hier den groben Fehler einfach nur ihren Lebenslauf zu kopieren. Den kennen die potenziellen Arbeitgeber jedoch schon. Auch hier gilt es zu klotzen, statt zu kleckern. Verewigen Sie hier, was Ihre Leidenschaft ist. Schreiben Sie ferner, wie Sie diese im Studium, Beruf, Praktikum, ehrenamtlich verwirklichen konnten. Hier findet sich Platz für Auszeichnungen, Publikationen und weitere Erwähnungen. Was hebt Sie von Ihren Mitabsolventen ab? Haben Sie bereits Erfahrung in bestimmten Branchen gesammelt? Konnten Sie bereits international arbeiten und leben? Das Studium ist immer noch ein Türöffner. Es sollte jedoch nie den Schwerpunkt Ihrer Positionierung darstellen.

 

Bei den beruflichen Stationen, Ausbildungen und Kenntnissen kommen wir ins Eingemachte. Tragen Sie hier neben Ihren beruflichen Stationen auch Ihre Kenntnisse ein. Lassen Sie Ihre Kenntnisse von jeder Person bestätigen, mit der Sie mal zusammengearbeitet haben. Dies kann im Studium, in Praktika oder nebenberuflichen Jobs passiert sein. Werden diese bestätigt wirkt sich das positiv auf Ihre Reputation aus.

Verwenden Sie LinkedIn einfach genauso, wie Sie Ihre privaten Accounts benutzen. Kommentieren und liken Sie. Seien Sie auch mal kontrovers und kritisch. Teilen Sie gerne interessante Inhalte. Ich habe gemerkt, dass vor allem provokative Inhalte Interesse und Interaktion wecken. Seien Sie aber vorsichtig. Stehen Sie zu dem, was Sie schreiben.

 

Was ist das erste was Personaler tun, wenn sie Ihre Bewerbung vor sich liegen haben?

 

Tun Sie sich selbst einen Gefallen. Googeln Sie sich. Als ich mich in den letzten Studienjahren gegoogelt habe, bin ich fast vom Glauben abgefallen. Beispielsweise stand auf Seite eins noch meine Zusage zu einer Studentenparty (Facebook). Ich habe Monate und etliche Anfragen bei Google gebraucht, um diese loszuwerden. Am Ende des Beitrages finden Sie das Formular, welches Sie zur Löschung von Google-Einträgen verwenden können.

 

Besuchte jemand ferner mein Profil bei Facebook, war fast jedes zweite Foto öffentlich zu sehen, Partyfotos inklusive. Dies war natürlich katastrophal für meine Reputation. Daher rate ich Ihnen zumindest Seite eins aufzuräumen. Wenn Sie meine Tipps beherzigen und viel über Ihr berufliches Thema posten, werden diese Inhalte irgendwann automatisch auf Google auftauchen. Bei meiner ersten Seite findet sich aktuell mein LinkedIn-profil. Darunter sind meine veröffentlichten Bachelor- und Masterarbeiten. Den Abschluss bilden weitere Artikel und Beiträge zu meinem Fachgebiet. Sollte mich jetzt jemand googeln, weiß er, dass ich Ahnung habe, wovon ich rede. Meine erste Bewerbung nach Studium besitzt somit ein hübsches Beiwerk an Reputationen und Referenzen.

 

Diese Art des Personalbranding ist am einfachsten zu planen. Sie schauen, welche Veranstaltungen es zu Ihrem Fachbereich gibt. Danach besuchen Sie diese und posten darüber. Einfach, oder? Besuchen Sie ferner Karrieremessen. Unternehmen investieren sehr viel Kapital, um sich auf solche Messen zu positionieren. Im Beitrag Nach Studium kein Job habe ich eine Liste aller Karrieremessen für Akademiker für Sie zusammengestellt. Vor allem die Online Events sind sehr vorteilhaft. Sie nehmen das Event auf, schauen es sich an und berichten darüber. Ihre Kontakte liken und kommentieren. Dies sorgt für Social Proof.

 

Natürlich umfasst Personal Branding und Positionierung noch so viel mehr. Die schnellsten Ergebnisse erreichen Sie jedoch mit diesen Tipps. Ich hoffe ich konnte Sie zu neuen Artikeln, Gastbeiträgen und Ideen inspirieren. Schauen Sie sich auch meine anderen zwei Beiträge zu dem Thema Karriere Coaching für Akademiker an. Diese sind im Artikel “Erster Job nach Studium – mit Karriere Coaching ein Hit” hinterlegt. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

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