Akademiker Frauen Teil 2/3 – Schlechte Finanzberatung

schlechte Finanzberatung
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Info: Dies ist der zweite Teil, der dreiteiligen Serie, die den Schwerpunkt auf die finanzielle Benachteiligung von akademischen Frauen legt. Denn schlechte Finanzberatung bekommt hier ein Geschlecht und einen akademischen Titel. Hier kommen Sie zur Übersicht.

Akademische Frauen haben viele Baustellen, für die sie nicht verantwortlich sind

schlechte Finanzberatung Im ersten Blog-Beitrag der dreiteiligen Serie haben Sie Anna kennengelernt. Sie hatte als Akademikerin viel Potenzial und stand doch am Ende mit nichts da. Daher sollte jede akademische Frau ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen oder zumindest gemeinschaftlich mit dem Partner Finanzentscheidungen treffen. Dadurch verstehen akademische Frauen besser, was sie da eigentlich machen. Dieses Wissen ist vor allem in Krisen goldwert, denn akademische Frauen, die viel Finanzwissen besitzen und gut aufgestellt sind, bleiben auch in herausfordernden Situationen gelassen.

Je wohlhabender Frauen übrigens werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie ihr Vermögen selbst verwalten. So waren beispielsweise im Jahr 2014 mehr als 46 Prozent aller Anleger an der Hongkonger Börse Frauen (Hongkong Exchange and Clearing Limited 2014).

Warum Frauen nach dem Studium schlechte Finanzberatung erhalten

schlechte Finanzberatung

Doch jetzt kommt der wirkliche Wahnsinn. Selbst wenn akademische Frauen sich entscheiden, ihre Finanzen nach dem Studium selbst in die Hand zu nehmen und zu Beratern zu gehen, stehen diese immer noch schlechter da, als akademischen Männer. Sie erhalten oft schlechte Finanzberatung. Wie das sein kann? Nun, dass das weibliche Geschlecht in vielen Gegebenheiten benachteiligt ist, wissen Sie bestimmt. Als ich eine Studie gelesen habe, dass vor allem akademische Frauen finanziell benachteiligt werden, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Doch wie wurde die Studie durchgeführt?

In den Jahren 2018-19 besuchten verdeckte Prüfer die Büros aller lokalen Hongkonger Finanzberatungsunternehmen, die für Kleinanleger zuständig sind. Bei jedem Besuch verwickelten die Prüfer die Finanzberater in ein Gespräch, in dem sie erklärten, dass sie für ihren Ruhestand investieren wollten. Ferner baten sie um Empfehlungen für passende Finanzprodukte.

Jedem Prüfer wurde eine bestimmte Rolle zugewiesen, die aus drei Eigenschaften bestand:

• hohe oder niedrige Risikotoleranz
• hohes oder niedriges Vertrauen und nationale oder internationale Ausrichtung.

Nach dem Besuch beantworteten die Prüfer eine Online-Umfrage und gaben die Namen aller Produkte an, die der Berater ihnen empfohlen hatte. Die Abfrage nach der Risikotoleranz ist übrigens gang und gäbe in der Wertpapierberatung und in Deutschland sogar Pflicht.

Denn Risiko besteht immer dann, wenn Anlageprodukte gewählt werden, deren Wert sowohl steigen, als auch fallen kann. Entscheidet sich der Anleger für ein Produkt mit einem niedrigen Risiko, kann er beispielsweise das klassische Sparbuch wählen. Hier erhält dieser meist einen Garantiezins und kann sich sicher sein, mindestens das eingesetzte Kapital bei Auszahlung zu erhalten. Hierfür gibt es jedoch größtenteils wenig Rendite. Möchte der Anleger mehr Rendite, muss er mehr Risiko eingehen, beispielsweise mit Aktien.

Möchte ein Anleger das Gesamtrisiko in seinem Portfolio reduzieren, kann er sein Portfolio diversifizieren. Hier teilt der Anleger seine Anlagen auf verschiedene Vermögenswerte auf. Langfristig werden Anleger für ein höheres Risiko überwiegend belohnt: So stieg der weltweite Aktienindex MSCI World seit seiner Auflage 1969 bis Ende 2021 im Schnitt um 9,5 Prozent pro Jahr. Doch nicht nur Anleger werden für eine hohe Risikotoleranz belohnt, auch Berater profitieren von höheren Provisionen, je größer das Risiko eines Finanzproduktes ist. Diese Produkte empfehlen sie dann und führen eine schlechte Finanzberatung durch.

Akademische Frauen werden in Sachen Finanzen diskriminiert

schlechte FinanzberatungWas in der Studie von Hongkong herauskam, war aber daher fast schon schockierend. Akademischen Frauen (37 Prozent) wurden eher nicht diversifizierte Investments in nationale Unternehmen vorgeschlagen, während akademische Männer mit gleichen Eigenschaften diversifizierte Portfolios vorgeschlagen bekommen haben. 

Ferner wurden akademische Frauen eher Immobilienfonds, Versicherungen und Einzelaktien angeboten. Diese gelten als risikoreicher. Die Vermutung dahinter? Frauen lassen sich eher zu solchen Investitionen überreden, als Männer. Dies führt anschließend zu höheren Provisionseinnahmen für die Finanzberatungen. Bhattacharya führte in seiner Studie aus:

“Advisers think they can fool the women and get away with selling them advice with sub-par results”

Daher wundert es nicht, dass nur 14 Prozent der akademischen Männer, so ein Investment vorgeschlagen wurde, im Gegensatz zu 37 Prozent der akademischen Frauen.
Bhattacharya geht sogar so weit zu behaupten, dass hier eine statistische Diskriminierung vorliegt. Schlechte Finanzberatung bleibt für die akademischen Frauen übrig.

In einer weiteren Studie untersuchen Bucher-Koenen et al. (2020) die Protokolle von etwa 27.000 Berater-Kunden-Gesprächen zusammen mit Archivdaten zu Kundenportfolios einer großen deutschen Bank. Sie stellen fest, dass Frauen innerhalb jeder Risikokategorie höhere Fondsverwaltungsgebühren zahlen und seltener Rückvergütungen erhalten. Auch hier stellt sich die Frage, wieso gerade Frauen das Nachsehen haben.

Akademische Frauen besitzen die Kompetenz zu erkennen, wann sie falsch beraten werden

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Der einzige Wermutstropfen: Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen lehnen minderwertige Beratung häufiger ab. Dies liegt an der Kompetenz, Sachen öfter kritisch zu hinterfragen. Wohlhabende Anlegerinnen, die negative Erfahrungen mit ihren Finanzberatern machen, feuern diese mit höherer Wahrscheinlichkeit als Männer. Dies ist eine der Schlussfolgerungen aus einer Gender-Bias-Studie des Vermögensverwaltungsgeschäfts der Bank of America Corp. Weibliche Kunden dominieren demnach immer mehr den Finanzmarkt.

Sollte ein Anleger schlechte Beratung erhalten haben, feuerten immerhin 35 Prozent der Frauen und nur 30 Prozent der Männer die Berater. Aber auch das Geschlecht der Berater spielt hier eine große Rolle. Die Analyse ergab, dass männliche Finanzberater doppelt so häufig zu Fehleinschätzungen neigen, als weibliche Finanzberater.

Vermögensverwalter schätzten in einer 30-minütigen Besprechung durchschnittlich 10-mal die Situation falsch ein.

Sie gingen sie davon aus, dass die Männer die finanziellen Entscheidungsträger seien

• dass die Paare über gemeinsame Finanzen verfügten

• dass Frauen mehr Orientierung wollten, risikoscheuer sind und weniger sachkundig als Männer seien

Auch wenn sich die Forschung noch wenig mit der finanziellen Diskriminierungen von akademischen Frauen befasst, sprechen die wenigen Studien Bände. Akademischen Frauen bleibt nichts weiter übrig, als sich Finanzwissen anzueignen.

Nur so können sie den Fehlberatungen Stand halten und diese besser erkennen. Denn hier geht es um Finanzentscheidungen, die ihr ganzes Leben betreffen. Unpassende Produkte können der Genickbruch für die spätere Rente sein. Im nächsten Blog-Beitrag zeigen wir Ihnen daher, wo die akademischen Frauen am meisten finanziell benachteiligt werden. Wir stellen Ihnen die academic gender pay gap vor (ja die gibt es wirklich).

Wo werden Frauen noch überall benachteiligt? Hinterlassen Sie gerne (unabhängig vom Geschlecht) einen Kommentar.

https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3671377 (aufgerufen am 25.09.2021 um 17:40)

https://de.nachrichten.yahoo.com/reiche-frauen-feuern-berater-eher-131304965.html?guce_referrer=aHR0cHM6Ly93d3cuZ29vZ2xlLmRlLw&guce_referrer_sig=AQAAAHoppxKWerwQAr-koXaLZcTneJMLpRburhgRLfhqeeFCiuUgZ2q4aFcavs-m-rHDnhnc5JHiPAf1MX0cpcMgkC8dUbPZTqGSgRdXoE9pJPpsb4EimBX6MyJM4ORE67b6h3s_IDREoONfsQwPzIlvBDtajVnUt7IsnLPjYSz1MRaN

(aufgerufen am 25.09.2021 um 17:40)

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