FAQ Gehaltaverhandlung

Das Gehalt: eine der größten Stellschrauben für deine finanzielle Unabhängigkeit

 
Mit deinem Gehalt hast du eine der größten Stellschrauben, um deine finanzielle Unabhängigkeit zu beschleunigen. Hier siehst du nicht nur am schnellsten die ersten Erfolge, nein, du hast einen Vorteil, den alle anderen Stellschrauben wie Rente und Steuer nicht haben: Du bist nach oben nicht gedeckelt!
 
Als jahrelange Vertriebs- und Verhandlungstrainerin waren Gehaltsverhandlungen eine Art Hobby für mich, um in Form zu bleiben. Auch wenn ich wusste, dass ich irgendwann zu 100 Prozent selbständig sein würde, habe ich im Angestelltenverhältnis immer sehr viel Freude bei der Gehaltsverhandlung empfunden. Ich habe nie verstanden, warum zwei Menschen in der gleichen Position und mit den gleichen Qualifikationen verschiedene Gehälter bekommen.
 
Ich hatte erfolglose Gehaltsverhandlungen, aber auch Momente, in denen meine Gehaltsforderungen beim Geschäftsführer gelandet sind. Mein erstes Gehalt war grottenschlecht, aber ich habe den Vertrag unterschrieben, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich mich weit unter Wert verkauft hatte.
 
Da habe ich es zu meinem Hobby gemacht, mein Gehalt zu erhöhen, und daraus schließlich eine ganz eigene Strategie entwickelt. Die Konsequenz meiner strategischen Karriereaufstellung und meiner souveränen Verhandlungsführung war, dass ich mein Gehalt innerhalb der ersten drei Jahre nach dem Berufseinstieg verdoppelt hatte.
 
Mein komplettes Wissen über Gehaltsverhandlungen in ein Webinar gepackt
 
Nachdem ich 2019 Akademiker Fibel gründete, arbeitete ich weiterhin ehrenamtlich als Trainerin für eine Studenteninitiative in Deutschland. Dort fing ich an, mein erlangtes Wissen in Webinaren zur Verfügung zu stellen. Vom ersten Webinar war ich begeistert, wie ich viele Anmeldungen hatte. Das Thema Gehaltsverhandlung ist heißer, denn je.
 
Mit mehr als 300 Teilnehmern (Stand 2023) konnte ich mich bereits austauschen. Die meisten waren Studenten in den letzten Zügen des Studiums oder Berufseinsteiger, welche sich mitten in der Bewerbungsphase befanden. Das Highlight war immer die Q&A Session am Ende der Online-Veranstaltung. Mit jedem Durchlauf passte ich das Webinar den Fragen der Teilnehmer an, denn ich bemerkte es gab ähnliche Fragen.
 
Daher hat dieser Blog-Beitrag das Ziel, die 7 größtenteils gestellten Fragen aus dem Webinar zu beantworten. Ich gehe davon aus, dass die Beantwortung der Fragen eine Menge Akademiker im Berufseinstieg helfen wird.

Dein erstes Gehalt ist das Wichtigste deiner gesamten Karriere. Überlasse nichts dem Zufall und nutze den Spickzettel, um souverän auf das Totschlagargument „Ohne Berufserfahrung zahlen wir nicht so viel“ zu reagieren.

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FAQ Gehaltsverhandlung

Ja, kannst du. Ich hatte bereits mehrere Werkstudententätigkeiten und Nebenjobs und ich habe immer verhandelt. Auch wenn ich teilweise nur 1 – 2 EUR Stundenlohn aushandeln konnte, war das ein Erfolgserlebnis für mich. Viele Studenten sind verunsichert, weil das Gehalt in den Vorstellungsgesprächen nicht angesprochen wird. Daher empfehle ich am Ende des Gespräches freundlich aber bestimmt nach der Gesamtvergütung nachzufragen.
Was sind überhaupt Tarifverträge und Tarifeingruppierungen? Ein Tarifvertrag ist ein Vertrag zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Er regelt die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Dazu gehört auch das Gehalt, je nach Qualifikation und Berufsjahren. Tarifverträge werden alle paar Jahre neu mit Gewerkschaften ausgehandelt und enthalten eine Art Inflationsausgleich.
 
Das Lustige ist, dass ich in manchen Branchen wenig Menschen kenne, deren Gehalt sich innerhalb dieses Tarifkonstrukts befindet. Denn es ist möglich, sein Gehalt auch außertariflich zu verhandeln. Du erhältst dann mehr als das, was der Tarifvertrag maximal vorsieht. Die Vor- und Nachteile dieses Vorgehens lasse ich mal außen vor, denn das Verhandeln im Vertrag und nicht außerhalb des Vertrages bringt gewisse Vorteile mit sich.
 
DU darfst sicher sein, dass der Höchstverdienst gemäß Tarifvertrag für dich nicht das Ende der Fahnenstange ist. Du siehst, dieser Trick ist wirklich schmutzig, denn Unternehmen verstecken sich hinter hochtransparenten und gleichstellenden Tarifverträgen. Doch Akademiker brauchen sich nicht immer um den Tarifvertrag zu kümmern.
In Arbeitsverträgen finden sich häufig Verschwiegenheitsklauseln, die Mitarbeiter verbieten, über ihr Gehalt zu sprechen. Da empfehle ich allen, mit Kollegen über Gehälter zu sprechen und dann sowas! Wie sieht es mit solchen Klauseln aus? Sind die wirksam? Welche Konsequenzen hast du zu befürchten, wenn du doch über das Gehalt sprichst und dich erwischen lässt?
 
Eines kann ich dir sagen. Ich habe in meinen jungen Jahren schon viele Verträge vor die Nase gehalten bekommen. Bei JEDEM war diese (oder ähnliche) Klausel inkludiert:
 
„Der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet sich, die Höhe der Bezüge ver­trau­lich zu be­han­deln, im In­ter­es­se des Ar­beits­frie­dens auch ge­genüber an­de­ren Fir­men­an­gehöri­gen.“
Über die Wirksamkeit von Klauseln in Arbeitsverträgen entscheiden Gerichte. Ein Gerichtsurteil in diesem Zusammenhang wird häufiger erwähnt. Das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern hat mit Urteil vom 21. Oktober 2009 (Az. 2 Sa 183/09) entschieden, dass eine arbeitsvertragliche Klausel, die den Arbeitnehmer zur Verschwiegenheit über sein Gehalt verpflichtet, unwirksam ist, da sie den Arbeitnehmer unangemessen benachteiligt.
 
Ich habe einen eigenen Blog-Beitrag darüber geschrieben, dass keiner im Büro später mit dir über Geld und Gehalt sprechen wird. Wieso dies so ist und welche Tricks Unternehmen noch auf Lager haben, um diese Schweigeatmosphäre zu schaffen, liest du im BWL Gehalt und Co. – Warum keiner im Büro über Geld redet.
 
Die Argumentation des Gerichts: Jeder Arbeitnehmer darf frei über sein Gehalt sprechen
 
  • weil das Gespräch selbst die einzige Möglichkeit sei, festzustellen, ob der Arbeitgeber bei der Lohnhöhe den Gleichbehandlungsgrundsatz einhalte.
  • Zudem verstoße die vertragliche Vereinbarung zur Verschwiegenheit gegen das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit.
 
Jetzt wirst du dich vielleicht wundern, wieso Unternehmen das Urteil seit 2009! kennen und es die Klausel trotzdem fleißig in jeden Arbeitsvertrag schafft?
 
 
Verträge unterliegen gewissen Auflagen, damit sie gültig und bindend sind. Meistens handelt es sich dabei um Pflichtangaben und -vorgaben, die erfüllt werden müssen. Sollte eine Klausel unwirksam sein, wird der komplette Vertrag unwirksam. Die salvatorische Klausel verhindert dies. Ist diese am Ende des Vertrages vorhanden, kann das Unternehmen ruhigen Gewissens Verschwiegenheitsklauseln in den Vertrag aufnehmen ohne, dass der komplette Vertrag ungültig wird, clever oder?
 
Du darfst all das verschweigen (oder den Personaler anlügen), was bei der Entscheidung für oder gegen dich aus objektiver Sicht keine Rolle spielt. Beispielsweise wirst du gefragt, ob du verheiratet bist. Da dieser Fakt nichts mit deiner zukünftigen Position zu tun hat, darfst du die Antwort verwehren oder lügen (laut Anwälten, mit denen ich gesprochen habe).
 
Beim Gehalt sieht die Sache anders aus. Ein potenzieller Arbeitgeber benötigt diese Information, um sich eine Bild über dein Stellenprofil zu verschaffen. Dies hilft im Abgleich des Budgets für deine zukünftige Position. Lügen wird schwierig. Daher empfehle ich hier wahrheitsgetreu zu antworten. Doch was, wenn dein aktuelles Gehalt weit von deinem Gehaltswunsch abweicht?
 
Ist dein aktuelles Gehalt weit unter deinem Wunschgehalt, empfehle ich mögliche Antworten bei der Gehaltsverhandlung:
 
  1. Dem Gesprächspartner das Gehalt mit dem Zusatz mitteilen, dass dein Gehalt nicht mit deinem aktuellen Stellenprofil und deiner Leistung übereingestimmt hat und du daher die gewünschte Gesamtvergütung i.H.v. xy€ als angemessen für die neue Stelle mit ähnlichem Profil empfindest.
  2. Dem Gesprächspartner das Gehalt und den Zusatz mitteilen, dass die neue Stelle umfangreicher, verantwortungsvoller oder herausfordernder erscheint und du daher die gewünschte Gesamtvergütung i.H.v. xy€ als angemessen für die Stelle empfindest.
Viele Firmen verlangen bereits in Online-Formularen eine Gehaltsvorstellung. Akademiker verzweifeln hier regelrecht, da sie einen „Machtverlust“ befürchten. Was viele nicht verstehen ist, dass die Nennung in den Formularen mit zwei großen Vorteilen kommt.
 
  1. Solltest du einerseits zu „teuer“ für das Unternehmen sein, bekommst du eine Absage. Beschäftige dich nicht mit Unternehmen, für die du zu teuer bist.
  2. Andererseits legst du mit deinem Gehaltswunsch den Anker.
 
Ahoi! – Mit dem richtigen Anker zum Verhandlungsprofi werden
 
Mithilfe des Ankers wirfst du die erste Zahl in den Raum (z.B. 50.000 €). An dieser Zahl orientieren sich alle weiteren Verhandlungen. Wenn du deinen Anker hoch genug ansetzt, kann die Gegenpartei dich schlecht um 15.000 bis 20.000 Euro herunterhandeln. Sie wird versuchen, deinem Anker nah wie möglich zu kommen. Achte daher immer darauf, die erste Zahl in den Raum zu werfen. Damit steigerst du deine Verhandlungsmacht immens.
In diesem Zusammenhang möchte ich dir ein berufliches Schmankerl aus meinem Leben berichten. Ich habe mich im Jahr 2019, also vor Corona, bei einer der größten deutschen Airlines beworben. Hier einen Arbeitsplatz zu bekommen, ist tatsächlich nur über Arbeitnehmerüberlassung, also Zeitarbeit möglich.
 
Die Airline hat im Vorstellungsgespräch erklärt, dass viele Überstunden anfallen werden. Ich würde für ein Großprojekt in der Strategie eingesetzt, und es gäbe viel zu tun. Ich hatte jedoch einen Arbeitsvertrag mit der Zeitarbeitsfirma, und der sah vor, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Mein Bruttogehalt war also deutlich weniger wert als angegeben.
 
Frag im Zusammenhang mit deinem Gehalt immer nach dem Umgang mit Überstunden. Ein Jahresgehalt von 80.000 Euro brutto ist nichts wert, wenn du 70 Stunden pro Woche arbeitest.
 
Stell daher in Vorstellungsgesprächen immer folgende Fragen, um deinen wahren Stundenlohn herauszufinden.
 
  • Herrscht in dem Unternehmen Arbeitszeiterfassung oder gibt es Vertrauensarbeitszeit?
  • Wie hoch ist der Anteil an Überstunden?
  • Wie wird mit Überstunden umgegangen?
  • Wie flexibel kann dort gearbeitet werden (gibt es Kernarbeitszeiten)?
 
Ich habe seit damals einen großen Bogen um die Zeitarbeitsfirma gemacht, die immerhin auf Akademiker spezialisiert war. Spezialisiert heißt hier: Wir werden billig eingekauft und teuer weiterverkauft. Aber nicht mit mir 🙂  Denn ich preise solche Informationen immer in mein Wunschgehalt ein.
Sprich nicht über den Preis, solange die Ware noch nicht verkauft ist.
 
Viele Akademiker verrennen sich, indem sie zu früh auf das Thema Gehalt zu sprechen kommen. Denn ja, der Anker soll von dir kommen, aber bitte nicht zu früh. Denn wer zu voreilig auf das Gehalt zu sprechen kommt, vermittelt einen gierigen Eindruck. Doch was tust du, wenn das Thema gar nicht zur Sprache kommt? Eine Freundin von mir hat sich in einer Beratungsfirma in Berlin beworben. Kein Big Player, das Unternehmen beschäftigt weniger als 100 Mitarbeitende. Als sie mir mehr über den Bewerbungsprozess erzählt hat, hätte ich beinahe gelacht.
 
Sie hatte bereits vier Runden durchlaufen, wobei die letzte Runde ein ganztägiges Assessment-Center war, und es wurde nicht mal einmal über das Gehalt gesprochen. Ganz ehrlich: Ich führe gern zwei oder sogar drei Gespräche, wenn ich weiß, dass die Firma und ich gehaltstechnisch beieinander sind. Aber ich würde niemals vier Runden drehen, ohne über das Gehalt zu sprechen.
 
Gewöhne es dir daher an, spätestens in der zweiten Runde solche Themen zu anzusprechen. Denn du vergeudest nur deine Zeit, wenn du viele Gespräche führst, um am Ende nicht einmal dein Minimalgehalt zu erhalten. Meine persönliche Empfehlung? Im ersten Gespräch überzeugst du von dir und zeigst, dass du der beste Kandidat bist. Sollte das Unternehmen im ersten Gespräch nicht auf das Gehaltsthema zu sprechen kommen, akzeptiere es. Spätestens am Ende des zweiten Gesprächs solltest du das Thema ansprechen.

3 Kommentare zu „FAQ Gehaltsverhandlung“

  1. Schöne Zusammenstellung von so vielen wichtigen Aspekten zum Thema Gehalt! Zum Tarifvertrag möchte ich noch ergänzen, dass die Eingruppierung in die jeweiligen Stufen und Unterstufen zwar Richtlinien folgt, diese aber auch Spielraum zur Auslegung lassen. Häufig hat man durch den Tarifvertrag insgesamt bessere Konditionen (Arbeitszeit etc.) als wenn man außertariflich einsteigt.

    liebe Grüße,
    Hanna

    1. Liebe Hanna,

      schön von dir zu hören und danke für den wichtigen Input zu Tarifverträgen. Vor allem das offizielle „Stempeln“ in Tarifverträgen kann für viele vorteilhaft sein 🙂 Mehr Geld ist dann doch nicht alles 😉

      Lieben Gruß aus Frankfurt

  2. Pingback: Was ich als Finanzbloggerin, Trainerin und Unternehmerin bewirken möchte - akademiker-fibel.com

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