der Mann ist keine Altersvorsorge

Disney sorgt dafür, dass ich abhängig bleiben möchte

Als ich klein war, liebte ich Cinderella oder auch Aschenputtel genannt. Für die drei Menschen auf der Welt, die die Geschichte nicht kennen: Cinderellas Vater hat nach dem Tod der Mama eine neue Frau geheiratet. Mit der verhassten Stiefmutter bekam Cinderella zwei versnobte und unfähige Stiefschwestern dazu.

Als auch einige Jahre später ihr Papa starb, scheuchte die Stiefmutter sie auf den Dachboden. Cinderella musste fortan für die Familie die Haushälterin spielen. Essen kochen, Wäsche waschen, den Kamin reinigen sind nur einige Beispiele. Daher auch der altertümliche Name, Aschenbrödel.

Der Wendepunkt in dieser Geschichte ist der, auf den ich immer sehnlichst als Kind gewartet habe. Cinderella schlich sich heimlich auf einen Ball. Dort lernte sie den Prinzen kennen und beide verliebten sich ineinander. Nach dem Ball bekam der Prinz sie nicht mehr aus dem Kopf und suchte sie im ganzen Land. Einzig einen ihrer gläsernen Schuhe hatte er von dem Ballabend und machte sich mit diesen auf den Weg, sie zu finden.

Der Prinz fand Cinderella, weil er sie nie aufgab. Beide heirateten und lebten bis ans Ende ihres Lebens glücklich zusammen. Der Prinz rettete sie also von einem Leben als Bedienstete und gab ihr Liebe, Reichtum und Glück ❤️ Hach, ich liebe diese Geschichte, wie so viele Frauen auch.

Von Cinderella zur Finanzexpertin: Deine Reise zur Selbstbestimmung

In meinem Kopf schwamm immer wieder die Frage herum, wann denn endlich mein Prinz kommen würde, um mich zu retten? Ich hinterfragte die Geschichte nie, denn auch in meinem Umfeld wurde dieses Märchen oft gespielt und nachgestellt. Die Frau lebte bei den Eltern und es wurde nur darauf gewartet, dass der Mann kommt und sie „rettete“. Nach der Heirat wurde eine Familie gegründet und den Rest kennst du ja.

Je älter ich wurde, desto mehr sträubte ich mich von dem Gedanken. Wieso sollte ein Mann einen so großen Einfluss in meinem Leben einnehmen, dass ich für ihn alles aufgab. Wieso sollte ich wichtige Themen in meinem Leben in seine Hände legen? Cinderella hatte wahrlich keine andere Wahl, ich hatte sie aber! Als ich anfing zu studieren, war mein Dating nicht sonderlich erfolgreich. Ich hatte die berühmten 50 ersten Dates.

Meine Vision vom Leben verscheuchte viele Männer. Meine Vision,…

  • dass beide Partner in der Ehe gleichberechtigt sind
  • dass die Kindererziehung geteilt wird
  • jeder sich beruflich verwirklichen kann

Ich datete immerhin Jurastudenten, die Richter werden wollten, Medizinstudenten, auf die 18 Stunden Operationen als Chirurg warteten.

Diese Männer konnten mit meinem Traum nichts anfangen. Denn wie auch ich wurden sie oft mit veralteten Rollenmustern von Frau und Mann aufgezogen. Mama bleibt zu Hause, kümmert sich um Wäsche, Essen und den Kamin, Papa geht arbeiten und bringt das Essen auf den Tisch. Diese Vorgehensweise hat nur einen großen Haken.

Scheidungsquote D bis 2022In Deutschland haben wir eine Scheidungsquote von fast 40 Prozent. Ich wiederhole diesen Satz, damit es bei dir verankert wird. Eine von drei Ehen in Deutschland werden geschieden. Denk darüber nach, welche 9 Ehepaare sich in deiner Umgebung aufhalten. Es sind deine Eltern, deine Geschwister, deine Cousins, deine Freunde und deine Arbeitskollegen.

Statistisch gesehen, lassen sich 3 davon in Zukunft scheiden (wenn nicht schon geschehen). In meinem Umfeld sieht es ähnlich aus. Ehepaare mit veralteten Rollenmustern lassen sich scheiden, der Mann hat bereits Karriere gemacht und verdient gutes Geld.

Die Frau hingegen hinkt der Karriere Jahre hinterher, hat fast nichts in die Rentenversicherung gezahlt und weiß auch sonst nicht viel mit sich anzufangen nach der Scheidung.

Akademische Frauen verstecken sich hinter Angst und Sicherheit

Daher verstehe ich es nicht, wie Frauen mir immer wieder erzählen, dass sie sich nicht mit Finanzen, Aktien und Börse beschäftigen, weil es ihnen zu „unsicher“ ist. Ohne Ehevertrag, Absicherung und Wissen in eine Ehe zu gehen, die eine 40-prozentige Wahrscheinlichkeit hat zu scheitern, wird ohne mit der Wimper zu zucken eingegangen.

Leider können akademische Frauen sich immer noch nicht ganz von alten Rollenmustern befreien. Denn bis 1985 hatten diese, genau wie Cinderella, keine andere Wahl. Bis dahin entschied laut Gesetzbuch der Mann in allen Angelegenheiten des gemeinschaftlichen Lebens. Frauen durften kein eigenes Geld verdienen und die Eröffnung eines eigenen Bankkontos brauchte sie die Zustimmung ihres Mannes.

Somit war es selbstverständlich, dass die Frau den Haushalt schmiss und die Kinder großzog. Heutzutage hat sich einiges verändert. In Deutschland ist es selbstverständlich, dass Frauen ganztags arbeiten gehen. Den Haushalt schmeißen viele trotzdem nebenbei, ohne Mann und ohne Hilfe. Das kann nicht aufgehen.

Viele Frauen überlassen heute noch die finanzielle Planung ihren Partnern. Ihre Ausreden sind: „Ich habe kein Interesse an Planung und Investition“ (68 %) oder „Mein Partner weiß mehr als ich“ (88 %). Aber ob der Partner wirklich mehr weiß, oder nur aufgrund von einem übertriebenen Selbstbild glaubt, mehr zu wissen?

Du bist die Einzige, die sich vor der Altersarmut absichern kann

ALV Frauen

Und das Schlimme daran: das betrifft nicht nur die älteren Generationen, sondern auch die jungen Frauen zwischen 20 und 34 Jahren! Genau die Generation, die in den sozialen Medien für Gender-Sternchen kämpft und sich eine gerechte Sprache wünscht. Ist ihnen die richtige Ansprache wirklich wichtiger als die richtige finanzielle Vorsorge? Scheint fast so! Statista bringt es mal wieder auf den Punkt.

Es fängt schon in jungen Jahren an: Einigen Studien zufolge bekommen Mädchen im Durchschnitt um 17 % weniger Taschengeld. Auch beim Einkommen gibt es gewaltige Unterschiede: So verdienen Frauen in Deutschland um bis zu 21 % weniger als Männer für dieselbe Arbeit. In meiner dreiteiligen Serie habe ich detailliert bereits darüber berichtet, wo akademische Frauen überall benachteiligt werden.

Frauen sind auch am stärksten von der Altersarmut betroffen, fast doppelt so stark wie Männer. Dies sind nur einige Gründe. 

Der Grund, wieso Frauen oft schlechter für ihre Altersvorsorge aufgestellt sind, als Männer:

  1. Frauen sind meist nicht durchgehend erwerbstätig & gehen nach Geburt öfter in Teilzeit, um die Care-Arbeit für die Kinder zu leisten
  2. Frauen bleiben durch die Scheidung oft alleinerziehend
  3. Frauen agieren bei Gehaltsverhandlungen oft bescheidener, als Männer (Academic Pay Gap)

Denn obwohl jüngere Frauen immer wieder betonen, dass sie sich nicht von einem Mann abhängig machen wollen, sondern auf eigenen finanziellen Beinen stehen wollen, machen es trotzdem sehr viele nicht.

Es bleibt einfach bequemer, einen Weg zu wählen, den man kennt. Dabei muss man sich nicht aus seiner Komfortzone heraus bewegen und wiegt sich in Sicherheit. Viel zu gerne lassen wir Frauen uns immer noch in die starken Arme der Männer fallen. Männer wollen diese starken Arme auch zur Verfügung stellen. Wir definieren uns immer noch über alte Stereotypen und Rollenmuster.

Aus Umfragen und Studien unter Jugendlichen kommt auch immer wieder hervor, dass junge Frauen, deren Mütter Beruf, Karriere und Familie miteinander vereinten, diese Art von Leben, wie es ihnen ihre Mütter vorlebten, nicht haben wollen. Es hat sich überhaupt das Verständnis von Work-Life-Balance extrem verändert.

Doch die jungen Frauen wissen zwar, dass sie sich von einem Job nicht geißeln lassen wollen, haben aber kein Gegenrezept, wie sie es besser machen und dabei unabhängig werden können. Und noch immer sind nur rund 50 % der jungen Männer bereit, im Beruf kürzerzutreten und sich den Haushalt mit der Lebenspartnerin aufzuteilen.

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Wenn ich erzähle, dass es für mich selbstverständlich ist, nur mit Ehevertrag zu heiraten, höre ich immer wie unromantisch ich doch bin. Wenn der Chirurg mich jedoch verlässt, weil er grad eine 21-jährige kennengelernt hat (sobald die Kinder großgezogen sind) und ich bereits 45 bin, ufffff……

Denn genauso, wie junge Frauen sich nicht getrauen, ihr Gehalt zu verhandeln, wollen sie auch oft aus Harmoniegründen das heikle Thema einer vertraglichen Regelung nicht ansprechen, aus Angst vor Ablehnung durch den Partner.

Doch lasst euch von mir eines sagen: Wenn wir Frauen nicht beginnen, die Gesellschaft zu unseren Gunsten zu verändern, wird es keiner für uns tun. Ein Umdenken in so vielen Bereichen muss noch stattfinden!

Denn Frauen gehen nicht allein wegen des Geldes arbeiten, sondern auch wegen der Freude am Beruf und wegen der Anerkennung durch Kollegen und Vorgesetzte. Das stärkt dann wieder das Selbstbewusstsein und eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Das gilt für die Fabrikarbeiterin genauso wie für die Ingenieurin oder die Verkäuferin.

Wir Frauen sind nicht klüger und auch nicht dümmer, als Männer. Sie sind genauso leistungsfähig und im Durchschnitt genauso fleißig und genauso faul. Doch in einem Teil im Kopf sind Frauen noch immer automatisch für Haus und Familie zuständig, und das darf sich ändern.

Denn wie viele von euch haben ihren Partner kennengelernt, als sie selbst berufstätig waren? Bei wie vielen von euch hat nicht gerade die Anerkennung in seinen Augen ausgelöst? Und dann reduziert ihr euch auf die Rolle als Mutter, Koch und Reinigungskraft? Niemand wird euch retten. Weder eurer Partner, noch eure Eltern oder die Regierung. Vor allem die Regierung ist noch auf dem Stand vor 100 Jahren, was Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau angeht.

Die Regierung unterstützt die finanzielle Abhängigkeit von Frauen

Frauen dürfen zwar eigene Konten haben und arbeiten, kümmern sich heutzutage aber trotzdem um Haushalt und Kinder. Deutschland und Österreich sind im Übrigen die einzigen OECD-Länder, die Alleinverdiener-Haushalte steuerlich begünstigen. Dies bedeutet, dass es sich in Deutschland für Frauen oft finanziell nicht lohnt, arbeiten zu gehen. Und am Ende des Tages schauen alle nur aufs Portemonnaie, oder?

In Finnland und Co. wird das Geld lieber in Kindertagesstätten für alle gesteckt. Hier in Deutschland darf Mama 30 km zur Kindertagesstätte fahren, und 500 Euro im Monat Zuschlag zahlen, um in Teilzeit arbeiten zu können, um 1.000 Euro brutto zu verdienen. Das kann rechnerisch nicht aufgehen.

Andere Länder machen es also vor. Deutschland schau t zu. Keine Regierung traut sich, das Ehegattensplitting abzuschaffen, geschweige denn die Steuerklassen zu reformieren, zu groß scheint dieses Projekt.

Und wenn wir schon beim Thema „Armut“ sind, darf auch die Altersarmut nicht ausgelassen werden. Denn nicht nur wegen der Kinderzeiten und der Teilzeit-Jobs schaffen es Frauen oft nicht, sich einen höheren Anspruch auf Rente aufzubauen.

Aber auch wenn du als arbeitest, wirst du nicht so einfach von deiner staatlichen Rente leben können. Denn nicht nur, dass dein Studium Rente zerstört. Die Deutsche Rentenversicherung ist so eine Katastrophe für Akademiker, dass die meist mit 36 – 40 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens klarkommen dürfen.

Kannst du dir vorstellen, mit nur 40 % von dem auszukommen, was du derzeit verdienst? Ich könnte damit gerade so meine Fixkosten decken. Keine Urlaube, kein Essen, kein neues iPhone, keine Geschenke für die Enkel…

Was du jetzt keinesfalls tun darfst, ist, den Kopf in den Sand zu stecken und Vogel-Strauß zu spielen. Denn das ist Realitätsverleugnung, und davon hast du nichts.

Denn es ist immer besser, jetzt anzufangen, als nie!

Und zum Thema „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ noch einen kleinen Tipp aus meiner persönlichen Erfahrung:

  • Arbeite so, dass du deinen Partner jederzeit verlassen könntest, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen. Es gibt kein schöneres Gefühl, als neben meinem Partner aufzuwachen und zu wissen, dass ich bei ihm bleibe, weil ich ihn liebe.
  • Stell sicher, dass deine Finanzen von denen deines Partners getrennt sind.
  • Schau, dass du immer über alle Zahlungen Bescheid weißt, die euch beide angehen, unterschreibe nichts ohne genaue Prüfung, wo du eventuell später dafür haften musst.
  • Bewahre Kopien von wichtigen Dokumenten deines Partners: Lohnzettel, Versicherungspolicen. Manche sind sehr gut darin, sich arm zu kalkulieren, wenn sie es brauchen.
  • Liebe ist schön und gut, aber Zahlen lügen nicht. Ein Mann, der dich liebt und möchte, dass du glücklich bist, wird dich unterstützen bei deinem Wunsch der finanziellen Unabhängigkeit.

Schau immer, dass die Finanzen passen, damit es dir auch nach den verliebten Zeiten gut geht.

Mach am besten gleich eine finanzielle Bestandsaufnahme von dir selbst mit dem Finanzfahrplan. Oder trage dich jetzt für die Warteliste ein für die Finance Academy.

Schau auf jeden Fall, dass du – egal was passiert – gut abgesichert bist und eine bestmögliche Abgeltung deiner Care-Arbeit bekommst. Mach diese Aufstellungen für dich. Sie sind die Basis deiner weiteren Schritte. Wenn du dich damit einmal grundlegend befasst hast, wird alles, was mit Finanzen tu tun hat, viel verständlicher.

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