Soll ich studieren? – Mythos vom Paradies „Studium“

Soll ich studieren II
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Falsche Erwartungen suggerieren uns automatisch Wohlstand

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Pro Jahr steigen die Anzahl der Studenten in deutschen Universitäten und Hochschulen. Immer weniger Menschen möchten eine klassische Ausbildung antreten, Handwerker, Bäcker und Pfleger sind aussterbende Berufe. Deutschland beklagt sich gleichzeitig über einen hohen Fachkräftemangel, sodass Angebot und Nachfrage seit Jahren im Ungleichgewicht sind. Soll ich studieren? Das fragen sich immer mehr und mehr Schüler.

Die Gesellschaft in Deutschland ist ein wesentlicher Grund für diesen Trend, denn es sind immer noch Studiengänge wie Medizin und Jura, die hoch angesehen sind. Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsingenieure verdienen das gute Geld und mein absoluter Lieblingsgrund, wieso jemand Lehramt studieren sollte, ist die Sicherheit, die mit diesem Abschluss einhergeht. Dieser Trend verschärft sich mit den Jahren immer mehr, die Selektion im Studium wird härter, was die Studenten von heute psychisch belastet.

Die Aussichten nach Abschluss hilft jedoch über den harten Weg hinweg. Laut Absolventa verdienen frischgebackene Akademiker im Jahr 2018 ca. 44.310€ brutto. Masterabsolventen kommen sogar auf neun Prozent mehr, als Bachelorabsolventen. Wer danach noch einen Dr. Titel drauflegt, kann sich über weitere Prozente mehr freuen. Soll ich studieren, wenn ich ein höheres Gehalt möchte? Definitiv!

Die Erwartungen werden von Jahr zu Jahr höher. Dies merkte ich oft als Tutor und Mentor für neue Studenten. Ich stellte jedem die gleiche Frage am Anfang:“ Wieso hast du dich für dieses Studium an dieser Hochschule entschieden?“ Die Antworten waren nahezu traurig. Von „Ich möchte später viel Kohle verdienen“ zu „So musste ich nicht bei meinen Eltern ausziehen“ war so ziemlich alles dabei, was weder mit Fokus, noch mit Zielen oder Träumen zu tun hat. Natürlich kümmert sich die natürliche Selektion um solche Motivationslöcher. Im Folgenden habe ich daher die fünf Hauptgründe zusammengefasst, warum die Erwartung und Realität weit auseinanderklafft. Damit kann die Frage: „Soll ich studieren?“ von manchen beantwortet werden.

5 Gründe, warum die Erwartungen zunehmend höher werden, die Realität aber immer entfernter erscheint.

  1. Der Wettbewerbsdruck erfordert ein erhöhtes Maß an Selbstmarketing
  2. Die Motivation zu studieren, ist meist externaler Natur
  3. Fähigkeiten, die in der heutigen Arbeitswelt wichtig sind, werden nicht im Vorlesungssaal gelehrt
  4. Soll ich studieren? Soziale Medien zeigen doch nur erfolgreiche Studenten
  5. Soll ich studieren? Oder was ist meine Alternative?

Der Wettbewerbsdruck erfordert ein erhöhtes Maß an Selbstmarketing

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Es stimmt, dass ein Studienabschluss mit höherem Einkommen und Ansehen einhergeht. Karrierestufen können schneller erklommen werden (Absolventen können beispielsweise direkt in Traineeprogramme für Führungskräfte einsteigen) und oft ist der Traumjob auch nur durch ein Studium greifbar.

Weiterhin möchten die meisten Studenten für die Besten der Besten arbeiten, da Großunternehmen meist mehr als Mittelständer zahlen und meist bessere Arbeitsbedingungen bieten, wie flexible Arbeitszeiten bzw. Homeoffice. So können allerdings auf eine ausgeschriebene Traineestelle gut 400 – 500 Bewerbungen kommen.

Hier liegt allerdings der Hase begraben. Wer sich die Rosinen picken möchte, benötigt ein passgenaues Selbstmarketing. Eine Bewerbung unverändert an 50 Unternehmen zu schicken, kickt Sie direkt an die Außenlinie. Wer ein Topzeugnis besitzt, jedoch keine Topbewerbung, kann die Vorteile nicht genießen.

Tipp: Vor allem unser erster Job nach Studium ist sehr wichtig für unsere Laufbahn. Investieren Sie daher in ein gutes Karriere Coaching.

Die Motivation zu studieren, ist meist externaler Natur

Nicht jeder, der das Studium gewählt hat, hat wirklich selbstständig das Studium gewählt.

Die Eltern predigen immer einen sicheren Job zu wählen, die Freunde gehen alle an die heimische Uni, um bloß nicht zu viel im Leben zu verändern.

Ich habe mein Studium der Wirtschaftswissenschaften damals mit über 800 Kommilitonen begonnen. Überlebt haben am Ende knapp 180. Die meisten meiner Studienkollegen haben schnell eingesehen, dass die Erwartungen und die Realität weit auseinander geklafft haben. Der Anstieg des Lernpensums und die Notwendigkeit des selbstständigen Arbeitens überfordern die meisten Studenten.

Tipp: Schauen Sie sich vor Einschreiben das Modulhandbuch genau an, besuchen Sie Vorlesungen als Gasthörer und verknüpfen Sie sich mit Studenten, die dies bereits studieren. Recherchieren Sie vor allem die Jobchancen nach Abschluss. Ich habe eine zeit lang als Lehrkraft für Wirtschaft arbeiten dürfen, hätte aber fünf Jahre verloren, wenn ich das studiert hätte. Oft lohnt sich ein generalistisches Studium mehr für Sie.

Fähigkeiten, die in der heutigen Arbeitswelt wichtig sind, werden nicht im Vorlesungssaal gelehrt

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Laut Bradberry & Greaves sind nicht mehr analytische Fähigkeiten für eine Erfolgskarriere entscheidend, sondern die soziale Intelligenz eines Menschen. In ihrem Buch „Emotionale Intelligenz – 2.0“ untergliedern die Autoren emotionale Intelligenz in die Fähigkeit der Selbstwahrnehmung und des Selbstmanagements, das Beziehungsmanagement und das soziale Bewusstsein. Sollten Sie kein soziales Studium verfolgen, landen solche Kompetenzen kaum in irgendein Modulhandbuch.

Soll ich studieren? Soziale Medien zeigen doch nur erfolgreiche Studenten

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Schaue ich mir meine Facebook oder LinkedIn Wall an, staune ich nicht schlecht über die beruflichen Erfolge meiner Mitmenschen. Bewerbung nach Studium? Super easy! Neue Jobs werden nach drei Tagen direkt eingetragen, jegliche neu erworbene Qualifikation wird aktualisiert und der letzte Workshop war voller Spaß, Freude und Sekt am Ende. Das Bild, welches jeder Student von diesen Medien erhält ist dieses, dass das Leben aller anderen spannender, erfolgreicher und interessanter erscheint.

Niemand postet etwas an dem Tag, an dem er eine Klausur im letzten Versuch schreibt, die Nachtschichten in der Gastronomie, weil der Bafög-Bescheid mal wieder auf sich warten lässt, oder die einsamen Nächte, in denen wir uns von der Welt und den Anforderungen des Studiums erschlagen fühlen.

Tipp: Sobald Ihnen klar ist, dass das Studium ein hartes Stück Arbeit ist und der Erfolg nicht zugeflogen kommt, wie im Abi, haben Sie die halbe Miete. Im Studium können Sie Ihre Note nicht mehr mit einem Referat retten, Sie sind eine Martrikelnummer und auch so werden Sie behandelt. Wer also die Hochschulreife erlangt hat, weil er für Klausuren immer drei Tage früher angefangen hat zu lernen, kann dieses System im Studium vergessen.

Soll ich studieren? Oder was ist meine Alternative?

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In Verhandlungstrainings ist immer die Sprache von BATNA und WATNA, wobei BATNA für die beste Alternative (best alternative to negotiated agreement) und WATNA für die schlechteste Alternative (worst alternative to negotiated agreement) steht. Als ich mich für den Master beworben habe, habe ich zeitgleich Bewerbungen geschrieben, jedoch wusste ich immer, dass der Master meine beste Alternative wäre. Viele Abiturienten fangen jedoch ein Studium an, weil sie überhaupt keine Alternative sehen. Dies erscheint nicht überraschend, da viele schon mit 18 – 19 Jahren vor der Wahl stehen. Das Studium ist also ihre schlechteste Alternative und genau so behandeln Studenten dies auch.

Tipp: Nehmen Sie sich nach dem Abitur erstmal die Zeit zu verinnerlichen, was Sie genau vom Leben möchten. Reisen Sie erstmal oder machen Sie ein freiwilliges soziales Jahr. Das Studium läuft nicht weg und die 45 Jahre Arbeit danach auch nicht. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich nur eine Sache ändern, nämlich mehr reisen!

Der wichtigste Tipp, den ich Ihnen geben kann, ist der, dass Sie nie aufhören dürfen zu recherchieren! Informieren Sie sich über jeden Studiengang, über die Stadt in der Sie zukünftig leben werden, über die Finanzierungsmöglichkeiten und über alles was Sie eine Entscheidung näher bringt. Ich kann auch jedem raten vor dem Studium eine Ausbildung zu absolvieren, die Kombination aus Berufsschule und Praxisarbeit bereitet weitaus mehr auf das Studium vor, als das Abitur.

Sie studieren schon und haben das Studium bereits gewechselt? Lassen Sie uns gerne in den Kommentaren wissen, welchen Fehler bei der Studienwahl Sie gerne vermieden hätten. In meinem weiteren Blogbeitrag Geld für Studenten, gehe ich noch einmal explizit auf Finanzfehler im Studium ein.

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